WZ: Aus für Blofelder Dorftreff

19.08.2017 WZ: Aus für Blofelder Dorftreff (Link)

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19. August 2017 ZU TEUER Von Oliver Potengowski
Aus für Blofelder Dorftreff
Die Reichelsheimer Stadtverordnete haben ein zentrales Dorferneuerungsprojekt aus Kostengründen gekippt: den Dorftreff in Blofeld.

Das war der Plan: An der Weed am Ortsausgang von Blofeld soll ein Dorftreff entstehen. Der Teich soll verkleinert und mit einem neuen Gebäude überbaut werden. (Archivfoto: kai)

Mit den Stimmen von CDU und Freien Wählern haben die Stadtverordneten ein zentrales
Projekt der Dorferneuerung in Blofeld gekippt. Obwohl Bürgermeister Bertin Bischofsberger betonte, dass die vier zur Abstimmung stehenden Projekte – Dorfplatz in Heuchelheim, Umgestaltung und Sanierung der Weed in Blofeld sowie beide Dorftreffs in Heuchelheim und Blofeld – eine Einheit bildeten, entschieden sie sich gegen den Dorftreff in Blofeld.
Zuvor hatten die Sprecher der Arbeitskreise Dorferneuerung in beiden Stadtteilen, Burkhard Kampschulte und Reiner Laasch, einen Abriss über den bisherigen Verlauf der gemeinsamen Dorferneuerung und die noch ausstehenden zentralen Projekte gegeben. Dabei wiesen sie darauf hin, dass insbesondere die beiden Dorftreffs die Projekte seien, die den Bürgern besonders wichtig seien. So hätten in Blofeld 63 der 92 Befragten gesagt, der Dorftreff sei wichtig oder sehr wichtig.

Auch die Machbarkeitsstudien ließen die Kosten für die vier Projekte finanzierbar erscheinen. So sollte der Dorfplatz in Heuchelheim rund 320 000 Euro kosten, die Umgestaltung der Weed
in Blofeld 145 000 Euro. Für die Dorftreffs waren in Heuchelheim 226 000 Euro und in Blofeld 440 000 Euro veranschlagt. »Das Problem ergab sich vor 14 Tagen, als wir erfahren haben, was der Statiker herausgefunden hat«, sagte Laasch.
Denn weil erst in 3,40 Metern Tiefe fester Basaltboden ansteht, sei die Gründung des Dorftreffs an der Weed deutlich aufwendiger und teurer, als in der Machbarkeitsstudie angegeben. 94 000 Euro koste allein die Fundamentierung. Doch auch in anderen Punkten weichen die bei der konkreten Planung geschätzten Baukosten deutlich von den in der Machbarkeitsstudie genannten Zahlen ab. So haben sich die Nebenkosten mit 127 950 Euro mehr als verdoppelt.
Insgesamt schätzen die Planer die Baukosten für den Dorftreff in Blofeld jetzt auf 761 000 Euro.
Auch bei den anderen drei Projekten gibt es deutliche Steigerungen der geschätzten Kosten. Bei der Umgestaltung der Weed ist der Anstieg mit 19 500 Euro relativ gering. Beim Dorfplatz in Heuchelheim werden jetzt 400 500 Euro und damit 80 500 Euro Mehrkosten geschätzt. Der dortige Dorftreff soll gegenüber der Machbarkeitsstudie 175 000 Euro mehr, also 401 000 Euro kosten. Die Nebenkosten sind mit 81 050 Euro dreimal so hoch wie die ursprüngliche Schätzung.
»Auch uns hat überrascht, dass die Kosten sich von der Machbarkeitsstudie erheblich unterschieden«, erklärte Kampschulte. Neben dem Baugrund, der auch in Heuchelheim weniger tragfähig ist als angenommen, wurden auch wichtige Positionen, die durch die vorgesehene Verbindung zwischen Dorfgemeinschaftshaus und dem Dorftreff als Anbau anfallen, nicht berücksichtigt. »Insgesamt scheint die Machbarkeitsstudie nicht besonders aussagekräftig gewesen zu sein.«
Trotz der erheblichen Mehrkosten, die für alle vier Projekte 495 000 Euro ausmachen, hatte der Magistrat vorgeschlagen, sie wie geplant umzusetzen. Die fehlenden Gelder sollten aus den Mitteln für das historische Rathaus gegenfinanziert werden.
Dr. Erich Sehrt schlug für die CDU dagegen in einem Änderungsantrag vor, den Bau des Dorftreffs in Blofeld wegen der Kostensteigerung zu streichen und nur die anderen drei Projekte zu realisieren. Er erinnerte daran, dass die CDU bereits vor der Sommerpause höhere Kosten befürchtet habe und deshalb wegen des Dorftreffs in Blofeld skeptisch gewesen sei. Die Gelder, die fürs historische Rathaus im Haushalt eingestellt seien, habe seine Fraktion als Reserve für mögliche Mehrkosten bei den Kita-Neubauten gesehen.
Rainer Schauermann erklärte für die SPD, dass die Dorferneuerung mit Sicherheit die letzten Projekte in Reichelsheim gewesen seien, bei denen man sich auf die Machbarkeitsstudie verlassen habe. »Es ist aberwitzig, dass eine Kostenschätzung, die nachher um 100 Prozent daneben liegt, mit einem einfachen Dreisatz aus dem Baukostenindex abgeleitet werden kann«, kritisierte er.
Dennoch sprach er sich für die Umsetzung aller vier Projekte aus. Dafür sprächen die gelungenen Entwürfe, mehr aber noch das große Engagement der Bürger. »Wir sind mit dem Versprechen gestartet, dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen umzusetzen«, erinnerte Schauermann. Die einzigen, die bisher von dem Prozess profitiert hätten, seien die Planer.
»Jetzt zu sagen, wir treten das Ganze in die Tonne, wäre schon heftig.«
Hans-Günter Scholz drückte für die Freien Wähler den Vertretern der Dorferneuerung sein Mitgefühl aus, dass sie den Stadtverordneten die »bittere Kröte« der Kostenentwicklung präsentieren mussten. Weder die Stadt noch ein Privatmann könne über seine Verhältnisse leben. Zu sagen, »dann streiche ich für die nächsten drei Jahre das Brot für meine Kinder, das ist die Finanzierung für das Auto, das geht nicht.« Er erinnerte: »Wir haben noch andere Projekte.« Auch da sei es fraglich, ob etwa die Kindergärten zu den vorgesehenen Kosten zu bauen seien.
Bürgermeister Bischofsberger warb dringend dafür, alle vier Projekte umzusetzen. Bisher seien in den letzten fünf Jahren nur kleine Projekte umgesetzt worden. »Diese Hauptprojekte sind die Dinge, die die beiden Orte nach ihrer Meinung dringend brauchen, um das Dorfleben in den nächsten 30 Jahren zu gestalten.« Wenn man davon einzelne streiche, stoße man die Bürger vor den Kopf. Er betonte, dass Reichelsheim dafür nicht mehr Schulden machen müsse, das Geld werde nur erst einmal anders ausgegeben.
Stadt verzichtet auf 300 000 Euro
Vehement sprach sich Dr. Sandra Nitschkowski gegen den Dorftreff Blofeld aus. Sie rügte die Lage am Ortseingang als gefährlich und die Zahl der geplanten Parkplätze als zu gering.
Außerdem befürchtete sie durch das Dorfgemeinschaftshaus einerseits und den Dorftreff andererseits eine Grüppchenbildung. »Dass nur ein neuer Dorftreff dazu führt, dass in Blofeld mehr Gemeinschaft entsteht, kann ich nicht sehen.«
Bischofsberger mahnte vor der Abstimmung, dass durch einen Verzicht auf den Dorftreff sich die
Kosten der damit verbundenen Umgestaltung der Weed erhöhen würden. Schauermann ergänzte, die Stadt verzichte auf einen Zuschuss von 300 000 Euro; dies sei das letzte Dorferneuerungsprogramm mit solch hohen Fördersätzen. Dennoch stimmten CDU und Freien Wähler geschlossen für den Änderungsantrag der Union, was das Aus für den Dorftreff bedeutete.

http://www.wetterauer-zeitung.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/art472,300513[20.08.2017 17:10:31

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